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Rentmeister Konrad Bispinck
In den Unterlagen meines Archivs habe ich einige interessante Aufzeichnungen über meinen Urgroßvater, dem Rentmeister Konrad Bispinck gefunden. Ich habe hier einiges davon zusammengestellt und will es einmal vortragen.
Konrad Bispinck wurde als 2. Kind des Rechtsanwalts und Notars Franz Bispinck am 23. Oktober 1820 in Horstmar geboren. Er starb auch dort am 25. Juli 1902. Seit dem 1. Oktober 1845 war er mit Anna Becker aus Horstmar verheiratet. Sie wurde am 13. März 1820 in Horstmar geboren und starb auch dort am 2. September 1883. Aus der Ehe gingen 3 Kinder hervor.
Nach seiner Schulzeit wurde Konrad Bispinck Kaufmann. Er war daher viel mit seinem Pferdefuhrwerk unterwegs um Handel zu treiben. Bei so einer Fahrt wurde er im Teutoburger Wald bei den Externsteinen von Wegelagerern überfallen. Bei diesem Überfall muß es wohl sehr hart zur Sache gegangen sein und Konrad Bispinck fürchtete um sein Leben. Schließlich aber hat er den Kampf doch noch siegreich durchgestanden.
Das Erlebnis war für ihn aber so einschneidend, dass er doch seine Berufswahl neu überdacht hat. Als dann 1847 in Horstmar die Stelle eines Rentmeisters beim Fürst und Rheingraf Friedrich frei wurde, hat er sich darum beworben und die Stelle auch bekommen. Die Familie zog also in den Borchorster Hof, damals sagte man vermutlich „Rentei“ dazu. In meiner Jugend sagten wir die „Alte Rentei“. Erst später setzte sich der Name Borchorster Hof durch.
Konrad Bispinck muß seine Sache wohl recht gut gemacht haben, denn bei seinem 50 Jährigen Jubiläum am 9. Dezember 1897 hat man ihn sehr geehrt. Ihm wurde der „Rothe Adlerorden vierter Klasse“ verliehen und der Fürst verlieh ihm den Titel eines Kammerrats. Beide Originalurkunden sind heute im Besitz von Frau Petra Wehmeyer im Valken Hof. Ich besitze Fotos dieser Urkunden im Maßstab 1 : 1.
Bei der Feier zu seinem 50 Jährigen Dienstjubiläum wurden vermutlich einige Reden gehalten. In einem Vortrag wird der Tagesablauf des 77 jährigen Rentmeisters anschaulich und amüsant dargestellt. Er war zu der Zeit schon Witwer. Ich finde es sehr interessant und möchte das mal kurz vortragen.
To dem schönen Jubelfest Kummt auk heran de Crins`schen Gäst; Dem Senior, de füftig Joahr Dat Haupt in de Gesellschaft woar, Dem breng wie usen Glückwunsch doar. Wel füftig Joahr met Fliet un Trü En Amt bekled, vull Suorg un Müh, To jedermanns Tefriädenheit, Dat is nich so `ne Kleinigkeit. Woa is de Mann, de`t leisten kann? Den Kammerroat, doa mot`t up an! Siene Liäwenswies, sien Doon un Driewen, Hoarklein will ick et ju beschriewen.
Des Muoargens so üm`n Uhr oder acht, Dann geiht he an de Arbeit sacht: De Kipp upp`n Kopp, de Fiädd`r in de Hand, Alls üöverleg he met Verstand. Ene Akt he noa de annre nimmt, Süht ruhig to, of alles stimmt, Nich sühst du doa ne Duoddlerie De Saak, de klappet wie noach nie! Wenn dann de Klocke 11we schleit, Rask he in den keller geiht, Tappt sick en Half, bitt em af de Kopp, Döt Glas wier vull, brengt met herop.
He segg so:
Zum Werke, das wir ernst bereiten, Wär jetzt ein Schnäpschen wohl am Ort, Kann so ein Korn hinunter gleiten, Dann fließt die Arbeit munter fort. Dat döät se auk un towes dann Kümp de Middagstied heran. Bie`n Disk, doa steiht he sienen Mann. En Täller Supp met Spargel drin, Dat is ´n Iätten noa sienem Sinn; Krüpers, Wirsink, frisk Gemöß Findt he alltied deliciös. Surmos met Schinken, Mettwuoast un Moß, Groae Iärsten met Speck, för westfoälske Magen Ett he genöglik met Behagen. Hew he non noa Belieben giätten, De Tied, de is em knapp bimiätten, Dann leg he sik, nix te guod em förwaohr, Bis 2 Uhr hen ganz still upt Oahr. Ne Tasse Kaffe, schön und blank, Steiht pröadig im Flur, up de Fensterbank. He hält se sik, drinkt af un to, bis allgemach Dat Geschäft afwickelt is für düssen Dag.
Toilette wäd makt.
Ut`n Hus herut, in Guoads Natur Spazeert he nu dör Feld un Flur; Dat steiht em an, denn niäbbenbi Is Frönd he van de Burerie. Wu de Weit up`n Kehlkamp steiht, Wann up Schwatthoffskamp wätt meiht, Wu`t de Küh in de Müöllenwisk geiht, För den Kriemskamp met de Rinner, Is auk sein Inträß nich minner; Selfst noa de Koppel un Ueövelgönn Beleg he den Spazeergank hen. Alles nimmt he fien in Acht, Es sik geböhrt in de Landwirtschaft. Feilt wat dran, o je! So ´n lamenteeren, Järger kann kien Bour kamneeren. Siegen Uhr oder siew`n stürt he no Hus Un hält nu sienen Aowendschmus. Et giff nich vull: En Brödken, belegd met Schinken, Broaden, Wuoast, Dann folget boall den grül`ken Duorst; Nu duert nich lang, jie trefft äm dann Bi Conrad Crins in de Wirtschaft an.
Doa wäd nu küört üöwer dütt un datt; Wel den besten Weit hew hat, Wu sik hebbt de Schwien un Küh, Wel Bour sik giw de gröttste Müh, Wat`t Koan nu kost, wu`t geiht in de Welt, Un wu de Politik sik stellt. Nich woahr? En schrecklich graut Gebiet, Doagiegen vull te kuott de Tied, Denn, wenn de Uhr half 11 schleit, Pünktlich he noa Hus hen geiht.
Nun wünschen wir, Herr Jubilar, Treibs weiter so, noch viele Jahr!
Ich denke mal, dass dieser Redebeitrag, der 1897 beim 50 jährigen Jubiläum meines Urgroßvaters gehalten wurde, recht anschaulich und amüsant den Tagesablauf eines damals schon 77 jährigen Rentmeisters aufzeigt.
Mein Urgroßvater war ein sehr sparsamer Mensch. Als sein Sohn Gustav den Valken Hof kaufte und anschließend umbaute bzw. neu Baute, musste er natürlich sehr sparsam wirtschaften. Wenn er dann von Bekannten gefragt wurde: Gustav, wie ist es mit diesem hier (es erfolgte dann das typische Reiben mit Daumen und Zeigefinger, das Zeichen für Geld) dann erfolgte die Antwort: Oh, alles beim Alten.
Zu den Aufgaben meines Urgroßvaters als Rentmeister gehörte es auch, die Treibjagden des Fürsten auf Horstmarer Gebiet zu organisieren. Er ging dann auch mit zur Jagd. Sein Problem dabei war, daß er kein Jäger war, und somit ohne sinnvolle Funktion an der Jagd teilnahm (evtl. als Obertreiber). Entsprechend ironische Bemerkungen musste er sich dann oft anhören.
Bei einer Treibjagd im Spätherbst, es war nebelig und nasskalt. Kein Stück Wild war zu sehen. Die Jäger waren gedanklich schon beim abendlichen Schüsseltreiben. Einer der Jäger unterhielt sich mit meinem Urgroßvater.
„Na Bispinck, immer noch keine Lust an der Jagd?“ „Ne“. „Hast du denn schon mal mit einem Schrottgewehr geschossen?“ „Ne“ „Willst du dann nicht mal schießen?“ „Ihr wisst ja, ich gebe eigentlich nichts darum, aber wenn ich euch eine Freude damit bereiten kann, will ich es gerne tun.“ Dem Urgroßvater wurde also ein geladenes Gewehr gereicht. Er nahm es und überlegte nun wohin er am besten schießen sollte. Einfach so in die Luft macht ja auch keinen Sinn. Dann sah er in einiger Entfernung die schemenhaften Konturen einer Rübenmiete. Darauf zielte er und Schoß. Er hat dann auch wohl getroffen, denn von der Rübenmiete her kam ein spitzer Aufschrei, gefolgt von lautem Geschimpfe. Mein Urgroßvater war sehr erschrocken und ist sofort dahin gelaufen. Eine Frau, die dort am arbeiten war, hatte offensichtlich einige Körner abbekommen. Es war weiter nichts schlimmes, aber der Schreck war groß. Mein Urgroßvater hat sich bei der Frau entschuldigt und ihr als Entschädigung 5,-- Mark gegeben. Als die Frau das Geldstück in ihrer Hand betrachtete, sagte sie spontan: Herr Bispinck, dafür dürfen sie noch mal schießen.
So, mit dieser kleinen Anekdote möchte ich den Bericht über meinen Urgroßvater Konrad Bispinck beenden.
Horstmar, im März 2011 Conrad Bispinck
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